Viele Wege führen zum Erfolg
Es gibt verschiedene Strategien, um einen Schädlingsbefall effektiv und langfristig zu beseitigen. Je nach Schädlingsart, Ausmaß des Befalls und örtlichen Gegebenheiten wählt ein Kammerjäger aus verschiedenen Methoden aus. Die drei häufigsten will ich im Folgenden näher vorstellen.
Gelverfahren
Bei kleinen Schädlingen kommen am häufigsten Gele zum Einsatz. Die dickflüssigen Mittel befinden sich in der Regel in Kartuschen, die an Spritzen erinnern. Durch eine Kanüle am unteren Ende der Packung lässt sich das Gel herauspressen, einfach dosieren und punktgenau ausbringen.
Um Schaben, Ameisen und Silberfischchen am besten zu erreichen, platziert der Schädlingsbekämpfer das Gel tropfenweise an den Laufwegen und Verstecken der Tiere. Sobald die Schädlinge das Mittel aufnehmen, entfaltet sich seine tödliche Wirkung – je nach Inhaltsstoff – innerhalb der folgenden 24 Stunden.
Wichtig ist, dass das Gel während der Schädlingsbekämpfung an Ort und Stelle verbleibt. Sie sollten das Putzen an den behandelten Stellen aussetzen beziehungsweise dort zumindest nicht nass wischen. Nach Möglichkeit bringt der Schädlingsbekämpfer die Gelpunkte so aus, dass Sie im Alltag nicht damit in Berührung kommen. Bevorzugte Stellen sind beispielsweise Spalten und Ritzen in Wänden, Schränken und Verkleidungen, Fußleisten und Zwischenräume in Bodennähe.
Sprühverfahren
Das Sprühverfahren eignet sich ideal, um Schädlinge großflächig zu bekämpfen. Während der Behandlung wird das eingesetzte Präparat zerstäubt. Der feine Nebel legt sich als hauchdünner Film auf das behandelte Areal. Nach dem Trocknen sollte der Bereich mindestens für vier bis sechs Wochen nicht nass gewischt werden. Nur so kann ein bestmögliches Bekämpfungsergebnis erzielt werden. Trockenes Putzen, Absaugen oder Kehren ist dagegen jederzeit möglich.
Ein Beispiel aus der Praxis: Flohbefall. Die Tiere lassen sich am effektivsten im Sprühverfahren beseitigen. Dazu bringt der Schädlingsbekämpfer das ausgewählte Präparat mittels Sprühflasche unter anderem auf Bettgestell, Sofa, Randleisten und Teppichen aus.
Viele gängige Wirkstoffe müssen in diesem Verfahren nicht aktiv von den Tieren aufgenommen werden. Zumeist reicht es aus, wenn sie nur damit in Kontakt kommen. Laufen die Schädlinge über eine behandelte Fläche, nehmen sie über die Beine ausreichend Wirkstoff auf, um abgetötet zu werden.
Köderverfahren
Anders als häufig angenommen, wird das Köderverfahren ausschließlich zur Bekämpfung von Nagetieren verwendet. Seit einer Gesetzesnovellierung von Januar 2013 hat sich das Vorgehen im Vergleich zu früher jedoch stark verändert. Eine Dauerbeköderung mit wirkstoffhaltigen beziehungsweise giftigen Ködern ist seitdem untersagt. Für die Praxis bedeutet diese Vorgabe, dass eine prophylaktische Bekämpfung von Ratten und Mäusen auf diese Weise nicht mehr möglich ist.
Die Entscheidung trägt den vom Gesetzgeber geforderten Risiko-Minderungs-Maßnahmen (RMM) Rechnung. Im Köderverfahren kommen vor allem sogenannte Rodentizide zum Einsatz, also Präparate, die die Blutgerinnung hemmen. Von diesen Mitteln geht bei falscher Handhabung ein nicht unerhebliches Risiko für Mensch und Umwelt aus. Aus diesem Grund sind sie auch für Laien Tabu.
An die Stelle dieser Art der prophylaktischen Bekämpfung tritt nun das Monitoring, die reine Schädlingskontrolle. Dazu werden spezielle Boxen mit giftfreien Köderblöcken bestückt und ausgebracht. Zeigen sich Nage- und Fraßspuren am Köder, liegt ein Schädlingsbefall vor. Der Kammerjäger kann nach eingehender Prüfung zur aktiven Bekämpfung übergehen.
Wirkstoffhaltiges Ködermaterial darf nur von ausgebildeten Fachleuten und nur in fest verschließbaren Stationen ausgebracht werden. Andere Tiere, vor allem aber Menschen, sollen auf diese Weise nicht mit den Mitteln in Kontakt kommen. Die Boxen müssen zudem mit Warnhinweisen versehen sein. Etwa „Achtung: Ratten- und Mäusegift! Berühren oder Verstellen verboten“. Hinzu kommt die Angabe von Notfallnummern, wie die der Vergiftungszentrale. Die Art des eingebrachten Mittels und seine Dosierung muss der Schädlingsbekämpfer zwingend dokumentieren. Genauso wie den Standort der Nagerstation.
Kriecht nun beispielsweise eine Ratte in die aufgestellte Box und frisst vom Köder, tritt der Tod in der Regel nach drei bis fünf Tagen ein. Eine verzögerte Wirkung ist deshalb notwendig, da Ratten oft nach dem Vorkoster-Prinzip leben. Stirbt ein Tier direkt nach dem Genuss eines Köders, dient
es allen anderen Individuen als Warnung. Keine Ratte würde danach noch etwas des Wirkstoffs aufnehmen.






