Als ich einst mit der Schädlingsbekämpfung begann, waren Bettwanzen (Cimex lectularius) noch ein relativ seltenes Phänomen. In Zeiten der Globalisierung hat ihre Anzahl jedoch deutlich zugenommen. Während wir es früher vielleicht dreimal jährlich mit den zähen Schädlingen zu tun bekamen, sind heute drei Fälle pro Tag keine Seltenheit. Tendenz steigend. Dabei ist es als Laie so gut wie unmöglich, den Tieren selbst Herr zu werden. Ein Anruf bei professionellen Schädlingsbekämpfern ist unumgänglich.
Ich darf vorstellen: die Bettwanze
Ausgewachsene Bettwanzen erreichen im Normalzustand eine Größe von bis zu sechs Millimetern. Vollgesogen können die Tiere allerdings noch ein kleines Stück zulegen. Ihre Statur zeichnet sich durch einen platten, ovalen Körperbau aus. Wie für Insekten typisch verfügen sie über sechs Beine, allerdings über keine funktionstüchtigen Flügel. Ihre Färbung variiert von rot bis schwarz- braun. Die Lebenserwartung liegt unter guten Umständen bei über zwölf Monaten. In dieser Zeit legen die Weibchen insgesamt zwischen 200 und 500 Eier, verteilt auf tägliche Ablagen. Die Larven brauchen zirka zwei Wochen bis zum Schlüpfen, sind zu diesem Zeitpunkt etwa einen Millimeter groß und transparent. Innerhalb von sechs Wochen entwickeln sie sich zu ausgewachsenen Tieren.
Sowohl die Larven als auch die ausgewachsenen Exemplare ernähren sich ausschließlich von Blut. Sie reagieren äußerst sensibel auf Körperwärme und den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid während des Atmens. Diese Indikatoren führen sie zielsicher zum nächsten Wirt. Häufig sind es Fledermäuse oder Vögel – vor allem Tauben, seltener Haustiere und im schlimmsten Fall Menschen. Die nachtaktiven Insekten werden zumeist in den frühen Morgenstunden aktiv. Sie stechen ihr Opfer unbemerkt und saugen innerhalb weniger Minuten bis zu einer halben Stunde Blut – oft ein vielfaches ihres eigenen Körpergewichts.
So macht sich ein Befall bemerkbar
Wer nicht gerade zufällig auf einige tote Exemplare aufmerksam wird, bemerkt die Anwesenheit von Bettwanzen an den Folgen ihrer Stiche. Nach einigen Stunden setzt häufig ein extremer Juckreiz ein, der mehrere Tage andauern kann. Je nach gesundheitlicher Kondition können Ausschlag und Schwellungen hinzukommen. In schweren Fällen löst der Speichel der Tiere sogar Asthmaanfälle und Allergien aus. Einige Opfer klagten auch über Unwohlsein und Sehstörungen. Obwohl Wissenschaftler bei Bettwanzen beispielsweise schon Hepatitis- und HI-Viren nachgewiesen haben, ist immer noch nicht erforscht, ob sie diese auch auf den Menschen übertragen können.
Mit Bettwanzen geht häufig ein süßlicher Geruch einher, der sich in den befallenen Räumen ausbreitet. Die Tiere kommunizieren über den Ausstoß von Geruchsstoffen. Werden sie beispielsweise durch unerwartete Bewegungen während des Blutsaugens gestört, warnen sie auf diesem Weg Artgenossen. Mit der Zeit setzt sich der unverkennbare Duft häufig in den Zimmern fest.
Die Bekämpfung: Immer ein Fall für den Fachmann
Bettwanzen mögen es dunkel. Aus diesem Grund ziehen sie sich gern in Ritzen und Spalten zurück, leben unter Polstern und Teppichen, krabbeln hinter Fußleisten und Kabelschächte oder halten sich in den Zwischenräumen verschraubter Möbelstücke auf. Ihre Verstecke verlassen sie in der Regel nur zur Nahrungssuche, bei der sie sich äußerst genügsam zeigen. In schlechten Zeiten überleben sie hunderte Tage ohne frisches Blut. Sie auszuhungern ist daher nur schwer möglich. Hinzu kommt, dass ausgewachsene Bettwanzen äußerst resistent gegen Kälte sind. Die Entwicklung der Larven stagniert zwar und die erwachsenen Tiere stellen die Nahrungsaufnahme ein, aber sie können in diesem Zustand lange Perioden überdauern.
Wie viele andere Schädlinge auch, gelangen Bettwanzen in den meisten Fällen nicht von selbst in neue Wohnungen. Sie werden eingeschleppt. Nicht selten sind sie ein ungewolltes Mitbringsel aus dem Urlaub. Vor allem in den USA sollten Reisende vorsichtig sein. In den vergangenen Jahren haben sich die Tiere dort zu einer wahren Plage entwickelt. In befallenen Hotels suchen sie nicht nur die Gäste heim, sondern können auch in die Koffer krabbeln. Innerhalb einer Nacht werden sie so zum blutsaugenden blinden Passagier. Aber auch Möbelkäufe bergen ein gewisses Risiko, vor allem auf dem Flohmarkt. Selbst in alten Bilderrahmen haben Tiere schon ihr Zuhause gewechselt.
Wir können also festhalten: Bettwanzen sind Meister des Versteckens und trotzen Hunger und Kälte. Wie also die Lage in den Griff bekommen? Herkömmliche Köderfallen und Gels helfen nicht. Da sich die Tiere an Körperwärme und Kohlenstoffdioxid-Konzentration orientieren, zeigen diese Bekämpfungsverfahren selten Wirkung. Deshalb haben auch mit Lockstoffen versehene Klebefallen zum Monitoring nur begrenzte Aussagekraft. Es bleiben letztlich zwei Möglichkeiten. Die verbreitetste ist das Sprühverfahren. Die befallenen Räume werden mit wirkstoffhaltigen Chemikalien begast, die die Tiere abtöten. Ein wirksames Vorgehen, das allerdings in den meisten
Fällen mehrere Einsätze der Schädlingsbekämpfer erfordert. Außerdem muss der beauftragte Fachmann auf dem neuesten Stand der Forschung arbeiten. Im Lauf der Zeit haben die Tiere eine Resistenz gegen bestimmte Stoffe entwickelt. Ihr Einsatz wäre also nutzlos – pure Zeit- und Geldverschwendung.
Möglichkeit Nummer zwei verspricht ebenfalls gute Ergebnisse, ist allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. Über einen Zeitraum von über 30 Stunden wird die Raumtemperatur auf über 50 Grad Celsius erhitzt. Die Bettwanzen und ihre Larven überleben die Prozedur nicht.
Beispiele und Präventions-Tipps aus und für den Alltag
Nicht nur Urlauber holen sich in Hotels Bettwanzen. Die Einschleppung funktioniert natürlich auch umgekehrt. Zu den größten Verlierern bei einem Befall gehört daher ganz klar das Übernachtungsgewerbe. Mit zunehmender Anzahl der Gäste steigt auch das Risiko für die Betreiber von Hotels, Pensionen und Herbergen. Es passiert schnell, dass ein Kunde die Insekten unwissentlich einschleust. Die nachtaktiven Tiere können an diesen Orten im Vergleich zu anderen Gewerbesparten jedoch ihre verheerendste Wirkung entfalten. Während sich Gäste beispielsweise in Restaurants zumeist nur tagsüber aufhalten, sind Hotel- und Fremdenzimmer dazu bestimmt, dass jemand dort nächtigt. Showtime für die blutsaugenden Plagegeister.
Fällt das Problem nicht rasch genug auf oder wird ignoriert, hat das fatale Folgen. In meiner Laufbahn als Schädlingsbekämpfer habe ich nicht wenige Hoteliers und Vermieter kennengelernt, deren gestochene Gäste sie verklagt haben. Dieser Schritt war mit erheblichen Kosten für die Inhaber verbunden. Nicht selten bekam auch die Presse von der Geschichte Wind. Die Negativschlagzeilen trieben die Betreiber fast in den Ruin.
In Ernstfall sind deshalb schnelle Reaktionen und ein gutes Krisenmanagement gefragt. Steht ein Kunde an der Rezeption und klagt über Stiche, darf die Antwort darauf niemals „Das kann gar nicht sein“ oder „Das bilden Sie sich bestimmt nur ein“ lauten. Betreiber und Mitarbeiter müssen die Beschwerden sichtbar ernst nehmen, ihnen sofort nachgehen und selbst im Zweifelsfall einen professionellen Schädlingsbekämpfer kontaktieren. In jedem Fall sollte dem Kunden ein anderes Zimmer sowie der Erlass einiger oder aller Kosten angeboten werden. Dieses Vorgehen hat auch den psychologischen Effekt, dass der Betroffene nach einer für ihn positiven Lösung des Problems weniger gewillt ist, weitere (rechtliche) Schritte einzuleiten.
Überhaupt ist es deshalb für Risikobetriebe sinnvoll, über ein gewisses Knowhow zum Thema Bettwanzen zu verfügen. Auch das Personal sollte entsprechend geschult sein. Als Regel gilt: in einem Abstand von vier Wochen sollten Betten und Möbel auf einen möglichen Befall hin inspiziert werden. Je besser die Mitarbeiter sensibilisiert sind, desto geringer ist die Gefahr, dass es erst zu Kundenbeschwerden kommen muss.






