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Fliegen - Keimschleudern auf zwei Beinen

Zwölf Uhr mittags, der Magen knurrt. Zeit für einen Imbiss. Wurst, Käse, Ei, knackiger Salat, ein bisschen Remoulade – das belegte Brötchen duftet köstlich. Plötzlich landen Millionen Keime auf dem Leckerbissen. Würden Sie dennoch abbeißen? Nein? Warum tun Sie es dann in vielen Situationen trotzdem?

Fliegen gehören in Deutschland zum Alltag. Vor allem im Frühjahr und Sommer schwirren sie um Mensch und Tier herum, stürzen sich auf alle verfügbaren Lebensmittel und hinterlassen diese kleinen schwarzen Flecken auf Fensterscheiben und Flächen. Lästig – aber auch gefährlich. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Fliegen schnell auch die eigene Gesundheit beeinträchtigen können.

Ich darf vorstellen: die Fliege

Fliegen zählen zur Klasse der Insekten. Alle Arten besitzen sechs Beine und sind durch ihre Flügel in der Lage zu fliegen. Ihre Lebensdauer variiert zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen.

Die Tiere sind wahre Fortpflanzungskünstler. Teilweise nur Stunden nachdem der sogenannten Tönnchenpuppe (die zur Weiterentwicklung verhärtete Larve) ein erwachsenes Exemplar entschlüpft ist, setzt bereits die Geschlechtsreife ein. Je nach Art können die Weibchen nach der Begattung innerhalb weniger Tage mehrmals hunderte Eier ablegen. Nach einigen Stunden bis Tagen schlüpfen die Larven. Mit der Zeit verlieren sie zunehmend an Mobilität, ihre Haut verhärtet sich und sie werden zu Tönnchenpuppen, in deren Inneren die Entwicklung zur ausgewachsenen Fliege beginnt.

Sowohl Larven als auch adulte Tiere ernähren sich von organischen Stoffen, die meisten sind Allesfresser. Angelockt von Faulgasen sind Fliegen oft auf Aas, Kot und gammligen Lebensmitteln anzutreffen. Auch offene, eitrige Wunden ziehen sie an. Im Übrigen ebenfalls alles Orte, die die Tiere bevorzugt zur Eiablage nutzen.

Die Art und Weise ihrer Nahrungsaufnahme mag für den Menschen unappetitlich klingen, hat sich aber als äußerst effektiv erwiesen. Fliegen besitzen von Natur aus keine Zähne oder andere Kauwerkzeuge, wodurch sie auf flüssige Nahrung angewiesen sind. Ihr Speiseplan schließt deshalb aber noch lange nicht auch feste Lebensmittel aus. Die Tiere würgen einfach ihren Magensaft direkt auf das ausgewählte Futter. Die darin enthaltene Säure beginnt sofort, die Stoffe zu

zersetzen. Aus fest wird flüssig. Alles was die Fliege danach noch tun muss, ist das Vorverdaute mit ihrem Rüssel aufzusaugen. Übrigens: Neben dem tastenden Rüssel dienen diesen Insekten noch andere Körperteile zum Aufspüren von Futter. Am Ende der Beine sitzen Sinnesorgane, mit denen Fliegen schmecken können.

Aufgrund ihrer Vorliebe für faulende Stoffe gelten Fliegen zu Recht als wahre Keimschleudern. Forscher haben an einzelnen Fliegen über eine Million Keime nachgewiesen. Sie können Infektionskrankheiten wie Salmonellose, Kinderlähmung und Tuberkulose übertragen, selbst die Maul- und Klauenseuche sowie Typhus.

Diese Arten können Ärger machen

In Deutschland schwirren zwar viele Fliegenarten umher, doch drei sind besonders lästig.

Wer an Fliegen denkt, dem kommt wohl als Erstes die Gemeine Stubenfliege (Musca domestica) in den Sinn. Die fünf bis acht Millimeter großen, behaarten Tiere sind grau bis schwarz, der Hinterleib dagegen meist gelblich bis beige, die Augenpartie rotbraun. Weibchen legen mehrfach Pakete mit bis zu 400 Eiern ab, aus denen weiße Maden schlüpfen. Wie schnell die Entwicklung vom Ei zur Larve zum adulten Tier abläuft, hängt stark von äußeren Faktoren wie der Temperatur ab. Unter idealen Bedingungen dauert es nur eine Woche. Die Gemeine Stubenfliege ist ein Allesfresser, der sich oft auch in Gebäude und Lagerhallen verirrt. Angezogen durch den Duft von süßen und anderen verlockenden Speisen, fliegen schnell Scharen herbei. Sie kontaminieren Lebensmittel mit Schmutz, Speichel und Kot und dadurch auch mit unzähligen Keimen.

Wenn sein Flug schon von weitem zu hören ist, handelt es sich bei dem angetroffenen Exemplar sehr wahrscheinlich um ein Mitglied der Familie der Schmeißfliegen (Calliphoridae). Aufgrund des unverkennbaren Geräuschs, das ihr Flügelschlag erzeugt, werden sie umgangssprachlich auch als „Brummer“ bezeichnet. Schmeißfliegen erkennt man leicht an ihrem Körper, der – je nach Gattung – bläulich, grünlich oder golden schimmert und bis 15 Millimeter lang wird. Die Tiere haben eine Vorliebe für stark duftende Stoffe. Aus diesem Grund stürzen sie sich gern auf Aas, Kot und nach Verwesung riechende Pflanzen- und Pilzarten. Weniger als in Küchen und Kantinen zieht es Schmeißfliegen deshalb beispielsweise in Ställe, wo sie sich zu Hunderten auf Kuhfladen niederlassen.

In Küchen und Kantinen hat im Sommer zumeist eine andere Art Hochsaison: die Fruchtfliege (Drosophila). Die oft nur etwa zwei bis drei Millimeter großen Tiere mit dem hellbraunen Körper

sausen nicht wie ein Brummer durch die Zimmer, sie bevorzugen es gemütlicher. Im langsamen Schwebflug nähern sie sich mit Vorliebe – ihr deutscher Name verrät es schon – gärenden Früchten. Aber auch fauliges Gemüse oder zuckerhaltige Reste, wie Limonade und Puddings, werden gern genommen. Direkt in die Nahrung legt das Weibchen auch ihre Eier ab. Als Brutstätten können aber zum Beispiel auch Abflüsse, Putzlappen, Schwämme und Bürsten sowie Kräutertöpfchen dienen.

So macht sich ein Befall bemerkbar

Da Fliegen keine Berührungsängste kennen fallen sie meist durch ihre physische Präsenz auf. Sie krabbeln über Lebensmittel und Gegenstände und landen auch auf Tieren und Menschen. Tote Tiere sind besonders häufig am unteren Ende von Fenstern und Schaufenstern zu entdecken.

Vor allem an glatten Flächen wie Scheiben, Lampen und Wänden fallen mit der Zeit zudem schwarze Punkte – die Exkremente der Tiere – auf. Der Fliegennachwuchs tummelt sich zumeist hundertfach in fauligen Lebensmitteln und anderen organischen Stoffen. Neben Aas und Kot kriechen die Larven nach dem Schlüpfen häufig auch in Obstschalen und -kisten, in Abfalleimern und Mülltonnen sowie auf Komposthaufen umher. Aber auch alle anderen Orte, an denen Stoffe vor sich hin faulen können – wie beispielsweise in Abflussrohren und der Kanalisation – kommen in Frage.

Die Bekämpfung: Professionelle Fallen helfen am besten

Um einen bestehenden Fliegenbefall effektiv zu bekämpfen helfen vor allem zwei Arten von Fallen: die einen arbeiten mit Klebefolien, die anderen mit Hochspannung.

Die Klebefolien sind oft mit Pheromonen versetzt, die die Tiere anlocken. Professionelle Geräte arbeiten zudem mit ultraviolettem Licht, das Insekten fast magisch anzieht. Der berühmte gelbe Klebestreifen, der einfach von der Decke hängt, ist lange überholt. Moderne Insektenfallen sind heute für den Laien oft gar nicht zu erkennen. In eleganten Designs sehen sie wie moderne Lampen aus, die ein angenehm indirektes Licht spenden. Im Inneren, von außen unsichtbar, versteckt sich die Klebefolie. Fliegen die Insekten zur Lichtquelle hinter dem Sichtschutz bleiben sie kleben und kommen von dort nicht mehr weg. Eine einfache, schnelle und vor allem saubere Möglichkeit um Fliegen, aber auch andere Insekten loszuwerden. Diese Art der Schädlingsbekämpfung eignet sich auch besonders gut für sensible Bereiche, in denen Lebensmittel produziert, verarbeitet oder vertrieben werden.

Ähnlich effektiv, dafür nicht ganz so hygienisch arbeiten Hochspannungsgeräte. Über den Lichtquellen verläuft bei diesen Fallen ein unter Spannung stehendes Metallnetz. Für Menschen bei direktem Kontakt bedingt gefährlich, für Insekten tödlich. Einen direkten Kontakt mit den Drähten überleben sie nicht. Die Kadaver fallen anschließend in einen Auffangbehälter. Allerdings kann es passieren, dass die Wirkung der Hochspannung so stark ist, dass einzelne Teile der Tiere, Flügel oder Beine, mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert werden. Je nach Konzeption der Falle und ihrer Auffangvorrichtung kann es passieren, dass Zugluft die toten Insekten heraus weht. In Küchen und Kantinen undenkbar. In sensiblen Bereichen sind elektrische Fallen deshalb nicht zulässig.

Beispiele und Präventions-Tipps aus und für den Alltag

Vor allem in (Groß-) Küchen kommt es immer wieder zu wahren Fliegen-Invasionen. Allerdings zeigt auch ein anderes Beispiel aus meinem Berufsalltag, die schnell es Fliegen an andere Orte ziehen kann.

Eines Tages erhielt ich einen Hilferuf aus einer angesehenen Klinik. Ausgerechnet auf der Intensivstation hatten sich hunderte Fruchtfliegen ausgebreitet. Bislang waren glücklicherweise nur ein Lagerraum und ein Ärztezimmer befallen – sofern man in solchen Situationen von „glücklicherweise“ sprechen kann. Die Patienten wurden noch nicht behelligt. Damit sich das nicht änderte, war der schnelle Einsatz eines Fachmanns gefragt. Vor Ort bot sich ein erschütterndes Bild. Im Lagerraum saßen die Tiere nicht nur an Fenstern, Decke und Wänden, sondern auch an den abgestellten Geräten und dem eingelagerten Material. Vor allem rund um die Spüle reckten zudem dutzende tote Exemplare die Beine in die Höhe. Eine Szene, die ein Laie so nicht von einem renommierten Krankenhaus erwartet hätte. Der Grund für den Schädlingsbefall stand schnell fest. Keine verfaulten Lebensmittel, die ein Mitarbeiter oder Patient irgendwo vergessen hatte, und auch keine versteckten Leichen waren schuld – obwohl der morbide Gedanke nahe liegen könnte. Die Tiere gelangten von außen über offene Lüftungsschächte in die Räume. Daher half im vorliegenden Fall das, was auch als Präventionsmaßnahme an vielen anderen Stellen zu empfehlen ist: engmaschige Fliegennetze. Vor Fenster, Oberlichtern, Schächten und teilweise auch Türen helfen sie, frische Luft in das Gebäude zu lassen, halten aber gleichzeitig Insekten fern.

In der Klinik installierte ich entsprechende Systeme und beseitigte die verbliebenen Tiere mittels Klebefallen. Die formschönen Lampen hingen zur Sicherheit teilweise auch sichtbar im

Empfangsbereich, ohne dass ein Patient oder Besucher je auf die Idee gekommen wäre, dass es sich nicht um einen normalen Lichtspender handeln würde.

Ansonsten hilft zur Fliegenprävention vor allem ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln und Abfällen. Müll sollte niemals offen gelagert und möglichst zeitnah entsorgt werden. Abfalltonnen haben zudem im Außenbereich nichts vor Fenstern und neben Türen zu suchen, sondern verdienen einen Platz mit ausreichend Abstand zum Gebäude. Apropos Fenster und Türen: Bei Dunkelheit locken hellerleuchtete Räume Fliegen und andere Insekten an. Vor allem wenn keine Netze vorhanden sind, sollten alle Ein- und Ausgänge deshalb geschlossen bleiben.

Manchmal gibt es aber noch eine andere Ursache für zunehmenden Fliegenbefall: Betriebsblindheit. Ein gutes Beispiel dafür fand ich einmal in einer Pizzeria vor. Der Besitzer hatte mich kontaktiert, da sich in der Küche zunehmend Fliegen ausbreiteten – woher sie kamen, konnte er sich partout nicht erklären. Die kleinen Tiere schwirrten mittlerweile auch bis in die Gaststube hinein, sodass es zahlreiche Kundenbeschwerden gegeben hatte. Ich begab mich vor Ort zunächst auf eine Inspektion, die Taschenlampe stets in der Hand. Während ich mich umsah, versicherte mir der Inhaber noch, dass auf Hygiene großen Wert gelegt und jeden Tag auch feucht gewischt werde. Alles schön und gut, dennoch mussten die Tiere irgendwoher kommen. Und ich fand schließlich den unappetitlichen Grund. Unter der Theke, auf der die Mitarbeiter den Pizzateig zubereiteten, stand ein Kühlschrank. Als ich diesen hervor zog, kam darunter eine mehrere Zentimeter dicke Mehlschicht zum Vorschein – und in ihr krümmten sich die aufgescheuchten Maden.

Mit der Zeit war immer mal wieder Mehl von der Theke herab gerieselt und durch Zugluft und Bewegungen auch in den kleinen Spalt zwischen Fußboden und Kühlschrank geweht worden. Dort sammelte es sich und bildete den idealen Nährboden für Generationen von Schädlingen. Dieser Fall ist daher ein hervorragendes Beispiel um zu zeigen, wie wichtig es ist, bei den regelmäßigen Grundreinigungen auch die kleinsten Ritzen zu berücksichtigen. Natürlich bedeutet es Arbeit, Möbel und Geräte zum Putzen zu verschieben, aber dennoch ist dieser Aufwand dringend notwendig.

Zudem ist es immer gut, wenn externe Fachleute hin und wieder einen prüfenden Blick auf die Arbeitsabläufe und –räume werfen. Sie bringen häufig eine unvoreingenommene Perspektive ein und können dadurch leichter Schwachpunkte aufzeigen. Es ist ganz normal, dass sich manchmal im Lauf der Zeit kleine Fehler in Abläufen einschleifen – Betriebsblindheit, die auf ihre Art in allen

Berufen vorkommt. Allerdings sollte jeder Inhaber eines Unternehmens frühzeitig etwas dagegen tun.

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