Kommen wir zu einem Schädling der etwas anderen Art. Statt etwa auf Lebensmittel oder Holz, hat er es nur auf eines abgesehen: den Inhalt Ihrer Brieftasche. Er befällt mit Vorliebe vor allem gutgläubige Menschen und hält sich, einmal aufgetreten, äußerst hartnäckig. Darüber hinaus lässt sich nur schwer vorhersagen, wann und wo er in Erscheinung treten wird. Während er versucht, Ihren Kontostand langsam abzutragen, bringt er nebenbei noch einen ganzen Berufsstand in Verruf. Der Schädling, um den es hier geht, ist das leider immer noch verbreitete „schwarze Schaf“.
Wie in jedem Berufsfeld, tummeln sich auch in der Schädlingsbekämpfung einige unseriöse Kollegen. Diese Anbieter versuchen aus der Notlage ihrer Kunden möglichst viel Profit schlagen – und sind zum Teil auch noch äußerst erfolgreich damit. Vor allem zwei Tatsachen spielen ihnen in die Hände. Zum einen gilt: je höher der Leidensdruck, desto höhere Summen sind Betroffene auch bereit, in die Lösung ihrer Probleme zu investieren. Wer vielleicht schon seit Wochen vergeblich selbst versucht hat, der Schaben in seiner Küche Herr zu werden, bezahlt einem vermeintlichen Heilsbringer aus purer Verzweiflung irgendwann selbst exorbitante Summen. Zum anderen ziehen unlautere Zeitgenossen einen Vorteil aus dem Unwissen ihres Gegenübers. Als Laie ist der Kunde in gewisser Weise von der Professionalität des Schädlingsbekämpfers abhängig. Ein Vertrauensverhältnis, das eigentlich niemals ausgenutzt werden darf. Dennoch kommt es in Ausnahmefällen vor, dass Kammerjäger Sachverhalte schlimmer darstellen, als sie eigentlich sind, Einsätze unnötig in die Länge ziehen oder viel zu hohe Preise ansetzen. Frei nach dem Motto: „Wer keine Ahnung hat, wird’s auch nicht merken.“
Um sich vor solchen Betrügern zu schützen, folgen nun zehn Punkte, an denen Sie einen guten Schädlingsbekämpfer erkennen.
1. Er reagiert schnell
Die Behandlung eines Schädlingsbefalls sollte niemals zu lange hinausgezögert werden, damit sich das Problem nicht unnötig verschlimmert. Ein seriöser Kammerjäger wird mit Ihnen einen zeitnahen Termin vereinbaren. In akuten Notfallsituationen sollte das Unternehmen möglichst sofort oder noch am gleichen Tag einen Mitarbeiter herausschicken. In allen anderen Fällen sind Bekämpfungs-Einsätze – je nach Dringlichkeit – innerhalb einiger Tage bis eineinhalb Wochen vertretbar.
Ist der Terminkalender eines Schädlingsbekämpfers allerdings schon voll, wird ein seriöser Anbieter Ihren Fall nicht übernehmen und Sie stattdessen an einen Kollegen verweisen. Sie sollten stutzig werden, wenn Sie etwa für einen akuten Schabenbefall in der Küche erst nach drei Wochen einen Experten geschickt bekommen.
2. Er hört Ihnen aufmerksam zu
Eine gute Kommunikation ist für eine erfolgreiche Zusammenarbeit unerlässlich. Ein seriöser Schädlingsbekämpfer wird sich Ihr Problem immer ausführlich schildern lassen und Rückfragen stellen. Je mehr Informationen er hat, desto schneller und effektiver kann er Ihnen helfen. Die lapidare Aussage „Wir haben Schaben in der Küche“ reicht ihm niemals aus, um direkt aktiv zu werden. Lässt der vermeintliche Experte Sie dagegen nicht zu Wort kommen, fragt er nie nach und schürt er gezielt Ängste statt beruhigend auf Sie einzuwirken, hilft nur eins: Suchen Sie sich sofort einen neuen Kammerjäger.
3. Er nimmt alles selbst in Augenschein
Telefonische Ferndiagnosen sind niemals ein geeignetes Mittel, um allein auf dieser Basis einen Schädlingsbefall zu identifizieren und ein ideales Vorgehen zu planen. Ein vertrauenswürdiger Fachmann macht sich vor Ort persönlich ein Bild. Erst danach erarbeitet er gemeinsam mit Ihnen eine Strategie, die perfekt auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten ist.
4. Er bringt die richtige Ausrüstung mit
Keine Schädlingsbekämpfung ohne die richtige Ausrüstung. Das bedeutet, dass ein echter Fachmann niemals mit veralteten oder beschädigten Geräten arbeitet. Wirkt das mitgebrachte Equipment sichtbar antiquiert, sollten Sie skeptisch werden. Gleiches gilt, wenn die Maschinen in keinem einwandfreien Zustand sind, offensichtlich repariert und nur notdürftig mit Klebeband oder ähnlichen Hilfsmitteln geflickt wurden.
Das wichtigste Arbeitsutensil eines guten Schädlingsbekämpfers ist übrigens nicht die Giftspritze, sondern die Taschenlampe. Hat er während seines ersten Besuchs keine dabei, schicken Sie ihn sofort nach Hause. Ohne die tragbare Lichtquelle kann er niemals einen Ort umfassend inspizieren. Versteckte Winkel und Ritzen lassen sich nur mit ausreichender Beleuchtung auf Schädlinge untersuchen.
5. Er arbeitet nicht mit Allzweckwaffen
Hellhörig sollten Sie werden, sobald Worte wie „Wundermittel“ und „Allzweckwaffe“ fallen. Auch die Aussage „Das machen wir immer so“ klingt zu Recht wenig vertrauenerweckend. Ein guter Schädlingsbekämpfer stimmt die Mittel exakt auf Ihren individuellen Fall ab. Dafür berücksichtigt er viele Faktoren wie Schädlingsart, Größe des Befalls, Ausgangsort und unmittelbare gesundheitliche Gefährdung. Auf dieser Basis wählt er Strategie, Präparat und Dosierung sowie Behandlungsart und -dauer aus. Wann immer möglich, greift er auf natürliche Wirkstoffe zurück und verzichtet dafür auf Gifte und gefährliche Chemikalien.
6. Er bleibt im Kostenrahmen
Kostet eine einfache Schädlingsbekämpfung in einem Privathaushalt plötzlich so viel wie ein kleiner Gebrauchtwagen, kann etwas nicht stimmen. Ein vertrauenswürdiges Unternehmen wird Ihnen einen Kostenvoranschlag anbieten. Vergleichen Sie die Angaben im Zweifelsfall mit weiteren Quellen. Recherchieren Sie im Internet und fragen Sie auch bei anderen Firmen an. Selbst bei angesehenen, seriösen Betrieben können die Preise erheblich variieren.
Allgemein können folgende Zahlen als Orientierungshilfe dienen (Angaben pro Einsatz):
- Wespennest-Entfernung bis maximal 250, meistens liegt der Preis bei 170 €
- Ameisen ca. 160- 250€
- Bettwanzen ca.350- 500 je Zimmer
- Flöhe (Behandlung 100 Quadratmeter Fläche) ca.350- 500
Diese Angaben beziehen sich auf einen durchschnittlichen Einsatz in Privathaushalten. Je nach Ausmaß des Befalls und Größe des zu behandelnden Areals können die Preise natürlich abweichen.
7. Er legt Wert auf Transparenz
Ein seriöser Schädlingsbekämpfer wird Sie immer genauestens über sein Vorgehen in Kenntnis setzen. So behalten Sie nicht nur den Überblick, sondern auch die volle Kostenkontrolle. Als Kunde haben Sie zudem Anspruch auf eine detaillierte Dokumentation der Arbeiten inklusive einer Auflistung aller eingesetzten Mittel und der Datenblätter zur Sicherheit der Präparate. Bekommen Sie sie nicht automatisch ausgehändigt, fordern Sie sie ein.
8. Er kennt die gesetzlichen Vorgaben
Bei der Schädlingsbekämpfung gilt es, eine ganze Reihe gesetzlicher Vorgaben zu beachten. Das betrifft den Tierschutz ebenso wie den Einsatz von giftigen Stoffen und reicht bis zur Lebensmittelkontrolle. Ein Schädlingsbekämpfer muss mit allen diesen Regelungen vertraut sein. Da sich die Gesetzeslage immer wieder ändert, bleibt dem Fachmann nichts anderes übrig als sich fortwährend über Neuerungen zu informieren. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Gegenüber diesen Anforderungen gerecht wird, können Sie ihn auch gezielt nach den gesetzlichen Vorgaben fragen. Weicht er aus oder antwortet er nur unzureichend, sollten Sie Vorsicht walten lassen.
9. Er sucht nach der Ursache
Ein guter Schädlingsbekämpfer arbeitet wie ein guter Arzt. Nachdem er sich einen umfassenden Eindruck verschafft und eine Diagnose gestellt hat, bekämpft er nach Möglichkeit nicht nur die Symptome, sondern vor allem auch die Ursache. Ein seriöser Fachmann versucht also nicht nur, den Befall zu beseitigen. Er stellt darüber hinaus noch drei weitere Fragen:
- Woher kommen die Tiere?
- Wie kommen sie an den betroffenen Ort?
- Wieso sind sie da beziehungsweise was hat sie angelockt?
Herrscht auf einem Hinterhof plötzlich ein Rattenbefall, könnte auf diese Weise herauskommen, dass die Tiere von einem brachliegenden Gelände in der Nähe stammen. Durch eine undichte Stelle am Hoftor gelangen sie ins Innere – angelockt durch Essensreste in unverschlossenen Abfalltonnen. Sind die Fragen geklärt, lässt sich die ermittelte Ursache meist mit vergleichsweise wenig Aufwand beseitigen. In diesem Fall mit einer Abdichtung des Tors und geschlossenen Mülltonnen. Langfristige Lösung, zufriedener Kunde.
10. Er geht diskret und verschwiegen vor
Der letzte Punkt auf unserer Liste ist nicht minder wichtig. Ein seriöser Schädlingsbekämpfer bringt Sie niemals in die Verlegenheit, dass die Öffentlichkeit auf seine Tätigkeit bei Ihnen aufmerksam wird. Weder betritt er ein Restaurant mit den Worten „Hallo, Sie hatten einen Kammerjäger gerufen!“ noch lässt er sich in der Pause auf ein verräterisches Schwätzchen mit den Nachbarn ein. Diskretion und Verschwiegenheit sind neben seinem Fachwissen sein höchstes Gut. Wann immer es die Umstände zulassen, werden Außenstehende nichts über seinen Auftrag bei Ihnen erfahren.






